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Bei Herbstspaziergängen ziehen Pilze unseren Blick an. Nur im Herbst scheint ihre Saison zu sein! Doch Pilze sind nicht nur zeitlos allgegenwärtig, sondern bilden neben Pflanzen und Tieren ein eigenes Organismenreich. Es ist merkwürdig, dass diese Lebewesen weitgehend dem Raster unserer Wahrnehmung entzogen sind. Denn ihrer Bedeutung für die Land-Ökosysteme entspricht dies nicht: Pilze sind unverzichtbare Zersetzer und Verwandler für Abgestorbenes und nicht zuletzt für unseren Zivilisationsmüll. Erst die unscheinbaren Pilze leiten die neuen Stoffkreisläufe ein.

Heute wissen wir, dass weit über neunzig Prozent der Pilzarten der Welt wissenschaftlich einmal noch nicht beschrieben sind.

Doch nicht nur die schiere Artenzahl und Artenvielfalt der Pilze und ihre fundamentale Bedeutung für den Naturhaushalt wird gemeinhin unterschätzt. Die Ausmaße ihrer Einzelwesen sprengen unser Vorstellungsvermögen. Das mit Abstand größte Lebewesen der Welt ist ein Pilz. Ein Exemplar des Dunklen Hallimasch (Armillaria ostoyae), im Malheur National Forest in Oregon, erstreckt sich über mindestens neun Quadratkilometer. Eine Abbildung dieses Giganten fällt enttäuschend aus. Der größte Teil seiner Masse sind feinste, milimeterdicke Rhizomorphe, die das ausgedehnte, unterirdische Geflecht, das Mycel, bilden. Das Mycel ist der eigentliche Pilz.

Drei charakteristische Eigenschaften von Pilzen sind besonders eindrücklich: Sie bilden enge Gemeinschaften mit anderen Lebewesen; sie fungieren als „Interaktions- und Kommunikationsgeflecht“ des Lebensraums; sie erschließen, verarbeiten und verwandeln die Nährstoffe. Mit anderen Worten: Pilze sind die Symbol-Organismen für die Forderungen unserer sich ändernden Welt!

Markus Grun, 22. Oktober 2021

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